Entspannung & Alltag
Ruhig atmen ohne Leistungsdruck: Eine einfache Pause zum Wahrnehmen

„Atme einfach tief durch“ ist schnell gesagt. Wer ohnehin angespannt ist, kann daraus jedoch die nächste Aufgabe machen: richtig zählen, den Bauch richtig bewegen und möglichst sofort ruhig werden. Für eine kleine Pause ist das nicht nötig. Sie können zunächst nur wahrnehmen, dass der Atem kommt und geht, und ihn so lassen, wie er im Moment ist.
Wahrnehmen statt eine Atemleistung erbringen
Atemtechniken werden auf dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs als ein möglicher Zugang zur Entspannung beschrieben. Für eine unverbindliche Alltagspause müssen Sie daraus keine besondere Technik nachbauen. Der folgende Ablauf enthält deshalb weder feste Atemquoten noch absichtliches Luftanhalten. Er ist eine Einladung zum Beobachten, keine medizinische Atemtherapie.
Falls Sie eine Atemwegs- oder Herzerkrankung haben oder bei Atemübungen Beschwerden erleben, orientieren Sie sich an Ihrer ärztlichen Empfehlung. Neu auftretende starke Atemnot oder Brustschmerzen gehören dringend medizinisch abgeklärt und nicht mit einer Entspannungsübung überbrückt.
Ein ruhiger Ablauf mit offenem Ausgang
- Bequem sitzen: Stellen Sie die Füße sicher ab und lassen Sie die Arme aufliegen. Eine aufrechte Haltung darf bequem bleiben.
- Den Raum wahrnehmen: Schauen Sie kurz umher. Sie dürfen die Augen während der gesamten Pause offen lassen.
- Den natürlichen Atem bemerken: Vielleicht spüren Sie die Luft an der Nase oder die Bewegung der Kleidung. Wählen Sie nur eine Stelle, die sich unaufdringlich beobachten lässt.
- Nichts vergrößern müssen: Lassen Sie Ein- und Ausatmen kommen, ohne besonders tief, langsam oder gleichmäßig werden zu müssen.
- Wieder in den Raum zurückkehren: Nehmen Sie den Stuhl und die Umgebung wahr. Entscheiden Sie anschließend, was als Nächstes ansteht.
Sie können die Pause jederzeit verkürzen. Eine Stoppuhr ist nicht erforderlich. Wenn Sie lieber einen Anfang und ein Ende haben, orientieren Sie sich an einer kurzen, ruhigen Audioanleitung ohne Zählzwang. Spielen Sie sie vorher an, damit überraschende Musik oder Werbung nicht erst mitten im Versuch auftaucht.

Wenn etwas unangenehm wird
| Beobachtung | Eine mögliche Reaktion | Was Sie vermeiden können |
|---|---|---|
| Sie beginnen, jeden Atemzug zu kontrollieren | Die Aufmerksamkeit auf den Kontakt der Füße zum Boden legen | Den Atem noch strenger zählen |
| Geschlossene Augen fühlen sich unbehaglich an | Die Augen öffnen und einen Gegenstand im Raum ansehen | Die Augen entgegen dem eigenen Gefühl geschlossen halten |
| Sie werden schwindelig oder fühlen sich unwohl | Die Übung beenden und normal weiteratmen | Noch tiefer oder schneller atmen, um ein Ergebnis zu erzwingen |
| Gedanken schweifen ab | Das Abschweifen bemerken und gegebenenfalls zum äußeren Anker zurückkehren | Den Versuch als gescheitert bewerten |
Wenn Beschwerden anhalten, wiederkehren oder deutlich sind, lassen Sie sie fachlich abklären. Aus einem unangenehmen Atemversuch lässt sich weder eine Diagnose ableiten noch die Pflicht, weiterzuüben. Eine andere Form der Pause darf besser passen.
Alternativen, bei denen der Atem in Ruhe gelassen wird
Nicht jeder Mensch richtet die Aufmerksamkeit gern auf innere Vorgänge. Sie können stattdessen die Oberfläche einer Tasse wahrnehmen, ein Bild betrachten oder die Farben im Raum benennen. Auch eine kleine Alltagshandlung kann einen klaren Übergang schaffen: das Fenster öffnen, Wasser holen und erst danach zur Aufgabe zurückkehren.
- Wählen Sie einen neutralen Gegenstand statt eines emotional aufgeladenen Fotos.
- Beschreiben Sie für sich drei sichtbare Eigenschaften, etwa Form, Material und Farbe.
- Lassen Sie nebenbei normale Alltagsgeräusche zu, ohne völlige Stille herstellen zu müssen.
- Beenden Sie die Pause mit einer einfachen Entscheidung über den nächsten Schritt.
Diese Varianten brauchen kein messbares Entspannungsgefühl. Der praktische Nutzen kann zunächst darin liegen, für einen Augenblick keine neue Nachricht und keine neue Aufgabe aufzunehmen.
Die Atempause im Alltag verankern
Wählen Sie eine vorhandene Unterbrechung statt eines weiteren Termins: bevor Sie ein Dokument öffnen oder nachdem Sie das Fahrrad abgestellt haben. Üben Sie nicht beim Autofahren, auf dem Fahrrad oder in anderen Situationen, die Ihre volle Aufmerksamkeit benötigen. Eine Atembeobachtung soll eine sichere Gelegenheit nutzen.
Muss die Ausatmung länger sein als die Einatmung?
Für die hier beschriebene Beobachtung nicht. Es wird kein bestimmtes Verhältnis vorgegeben. Wenn Sie eine konkrete Atemtechnik erlernen möchten, wählen Sie eine fachlich geeignete Anleitung und klären Sie bei gesundheitlichen Fragen deren Eignung.
Ist eine Hand auf dem Bauch notwendig?
Nein. Eine Hand kann für manche Menschen ein angenehmer Orientierungspunkt sein, andere möchten das nicht. Sie können die Hände einfach auf den Oberschenkeln oder einer Armlehne liegen lassen.
Was, wenn ich danach genauso angespannt bin?
Dann war es eine kurze Pause ohne den erhofften Effekt. Prüfen Sie in Ruhe, ob eine andere Umgebung, ein Gespräch oder eine Veränderung der belastenden Situation sinnvoller ist. Wiederkehrende starke Anspannung muss nicht allein mit Übungen bewältigt werden.
Hintergrund: Stress bewältigen auf gesundheit.gv.at.


